Lang her

Nun ist es schon eine Weile her, dass ich Euch schrieb. Zwischenzeitlich wurde ich krank. Und wenn ich krank werde, verliere ich jeden Mut. Ich habe Angst, krank zu bleiben und nichts tun zu können. Angst vor Konsequenzen im Arbeitsumfeld. Angst vor gesundheitlichen Folgen. Das macht Druck und ich tue alles mögliche, um gesund zu werden. Der Stress machts dann meist nicht besser und ich verzage. Und hadere mit dem Leben. Genau genommen damit, dass ich krank werde und alle anderen Menschen gesund und munter durchs Leben gehen. Und keine Angst haben, krank zu sein. Ich schäme mich, wenn ich krank bin. Ich habe Schuldgefühle. Fühle mich schwach und versagt. Das ist schmerzhaft. Inzwischen war ich wieder gesund und nun bin ich wieder krank. Es ist der Stress. Wenn ich starken seelischen Stress habe – und den habe ich oft, dann werd ich eher mal krank. In letzter Zeit hatte ich seelischen Stress im Job. Und besonders privat. Mit A. Trennung steht immer wieder im Raum. Ich spreche es aus und denke es noch öfter. Aber ich schaffe es nicht. Aus Angst. Aus Zweifel. Ich weiß, dass niemand von uns beides was böse meint. Wir sind uns gut gesonnen. Es ist nur so – meine Bedürfnisse liegen brach. Schon so lange. Und ich habe Angst, dass ich nie wieder einen Menschen finde. Der eine solche Vertrauensposition einnehmen kann. Weil ich mich gar nicht mehr auf jemand einlassen könnte. Dann habe ich Angst, allein zu sein und allein zu bleiben. Ich bin eh die meiste Zeit allein. Seit Jahren. Doch da war halt A immer im Hintergrund. Wenn ich krank war. Auf Familienfeiern. Im Alltag als Ansprechpartner. All das fiele weg. Das macht Angst. Ihm vermutlich auch. Sonst wär er vielleicht auch schon gegangen. Wir sprechen manchmal darüber. Ich mehr als er. Er weint, wenn ich die Dinge ausspreche. Es tut mir weh. Ich möchte ihm nicht weh tun. Und möchte ihn nicht kritisieren. Aber so gehts halt auch nicht. Der Zwischenzustand und all die Diskussionen, jedesmal die Angst, der Stress machen mich krank. Aber macht es mich kranker, wenn ich gehe? Und wer ist dann da, wenn was ist? Habe Angst davor. Hab Angst. Vor allem.

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Ist es egal, wen man liebt?

Heute hab ich mich gefragt, ob es egal ist, wen man liebt. Und das kam so:

Ich hörte ein sehr berührendes Lied von Celien Dion und spürte auf einmal Wehmut, Sehnsucht, Vermissen … doch anstelle eines einzelnen Menschen erschienen vor meinem geistigen Auge verschiedene Menschen. Nach einander. Und ich merkte, es ging gar nicht so sehr um den Einzelnen. Es war mehr das Gefühl, das ich auf den Menschen projezierte. All das Sehnen, und wähnen, und ziehende Gefühl des Heimwehs … was auch immer.

Das hat mich mal wieder ernüchtert. Emotional gesehen. Ist das nicht irgendwie abgeklärt? Zu erkennen, dass vermeintlich Liebe auch schlicht das Gefühl der eigenen Projektion sein kann? Man speigelt einfach alles, was man sich wünscht, sehnt etc. auf ein Gegenüber und – zack – ist es der Traummensch, die große Liebe. Dabei stimmt das gar nicht. Man verliebt scih schicht in die eigene Projektion. Und das man sich da rein verliebt, liegt ja nah.

Für mich schließt das nicht aus, dass es auch LIebe zu einem Menschen gibt. Ganz sicher gibt es das. Doch vermutlich ist in den allerallermeisten Fällen mal eher Projektion am Werk. Oder?

Coabhängig?

Es fällt mir so schwer, nicht nach dem Medikament von A zu googln.
Darum schreib ich jetzt Euch. Das hält mich davon ab, zu googln.

Denke die ganzen Zeit, was ist, wenn es das falsche ist. Oder was, worum es in Bezug auf uns gar nicht ging? Fühle mich verantwortlich für das Ganze. Hab ein schlechtes Gewissen. Weil ich das Ganze und ADS angesprochen habe. Es fällt mir so schwer, A mit seinen Angelegenheiten allein zu lassen. Vermutlich möchte ich es kontrollieren, weil ich Angst davor hab, wie es sich entwickelt, wenn ichs loslasse. Dass er sich rauszieht.

Es ist so krass, was das Unterbewusstsein sich einfallen lässt, um (gefühlt) irgendwie wieder Kontrolle über die Situation zu bekommen. Tatsächlich der Gedanke, dass ich mich in A’s mailkonto einloggen könnte, um zu gucken, ob er mit anderen Frauen schreibt. Das gabs schon mal. Vor vielen Jahren.

Aber ich lasse das. Wie traurig muss mein Selbstwert sein, dass er (der Selbstwert) sich so wenig seines (meines) Wertes sicher ist. Im Zweifel nicht bereit ist, Menschen gehen zu lassen, die den Wert nicht schätzen? Auch wenn ein Teil von mir denkt, ich müsste jetzt unbedingt was tun. Kontrollieren. Festhalten. Das ist kein gute Weg. Wie lange soll das gehen?

Wenn Mann nicht selber die Überzeugung für sich gewinnt, dass er an dem Miteinander wirklich was tun will, macht es dann Sinn, dass ich in ihm zerre, damit er das tut? Wie wäre das für mich? Wenn jemand an mir zerrt. Obwohl ich merke, dass ich ’nen Widerstand habe? Ok. Vielleicht würd ich mich überzeugen lassen lassen. Weil ich offen bin, an gutem Miteinander zu lernen. Aber ist jeder andere auch so?

Wie weit kann/soll man mitgehen und ab wo ist der Punkt, wo man loslassen muss. Und sagen muss, entscheid es für Dich und lass es mich wissen.

😦

Die Sache mit A

Die letzte Tag traf ich A wieder öfter. In Anbetracht dessen, dass er mein Lebensgefährte ist, selten, in Anbetracht dessen, dass eine Trennung im Raum steht, oft. Jedenfalls war es anstrengend. So, so anstrengend. Und immer wieder der Versuch, es zusammenzubringen. Nicht nur von meiner Seite aus. Auch und besonders von seiner. Seine Lösungsvorschläge bei Krisen sind immer konstruktiv und ausgesprochen hilfreich. Oft auch außergewöhnlich, kreativ. Und das berührt mich immer wieder. In dem Momenten weiß ich, warum er mich immer wieder so berührt, und warum ich ihn so mag. Es ist sein inneres Wesen.

Doch was nützt das, wenn es im Alltag doch so schwierig ist. Und es mir und dann auch ihm so schlecht damit geht. Wir fangen es jedesmal wieder auf. Auch wenn die Kraft langsam weniger wird. Und das Vertrauen darauf, dass der andere trotzdem da ist, (beruhigenderweise) stärker wird.

Doch nach wie vor steht meine Konsequenz im Raum – bevor er sich nicht bzgl. seinem ADS in Beratung oder/und Behandlung begibt, geht es mit uns keinen Schritt (mehr) weiter. Er hatte sich darauf eingelassen und anstelle einer Beratungsstelle seinen Arzt angerufen. Der hat ihm ein Medikament verschrieben (ich berichtete in einem der letzten Beiträge darüber).

Das war gar nicht meine Absicht, ich dachte ja eher an eine Beratungsstelle. Hätte ich erstmal konstruktiver gefunden. Aber ok. Ist seine Sache. Jedenfalls musste das Mittel wohl erst bestellt werden. Seit Samstag steht es in der Apotheke. Er hat es nicht abgeholt. Heute während des Telefonates fragte ich nach und es steht auch jetzt noch in der Apotheke. Er hat es nicht abgeholt. Obwohl er heute frei hat. Also den ganzen Tag zur Verfügung und die Apotheke ist ein paar Minuten um die Ecke. Auf meine Nachfrage meinte er, er hätte es vergessen. Dann kommt – ‚ich kämpfe noch mit mir‘.

Um Missverständnissen vorzubeugen – ich kann ihn verstehen. Ich hätte auch das Gefühl, da will jemand an mir manipulieren. Oder hält mich für krank und behandlingsbedürftig. Das ist nicht schön. Ich würde auch nicht einfach irgendwas einnehmen. Auch wenn es pflanzlich ist. Deshalb würde ich auch erstmal zu einer Beratungsstelle gehen und schauen, ob da nicht über mein Verhalten & Reflektion/Änderung was gehen könnte. Aber er hat den Doc angerufen. Nicht ich. Und er hat sich was verschreiben lassen. Nicht ich.

Im Telefonat herrschte plötzlich Spannung. Auf meiner Seite Angst, Wut, auf seiner Seite das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Ich kann ihn verstehen. Aber ich kann auch mich verstehen. Nach so vielen Jahren bin ich müde. Entweder er will was ändern und bessern, oder er lässt es.

Ich möchte ihm damit nicht mehr in den Ohren liegen. Ich möchte nichts mehr fordern. Ich möchte raus auf der Warteposition. Also hab ich ihm gesagt, dass ich ihn zu dem Thema nichts mehr fragen möchte. Er kann das alles für sich klären – oder auch nicht – und mir dann, wenn ER soweit ist – bescheid sagen. Dann können wir sprechen. Und bis dahin wird es mit uns keinen weiteren Weg geben.

In einem Video zu toxischen Beziehungen habe ich von dem Coach mal einen Satz gehört, der mir lange im Sinn blieb. Dabei ging es um Futurefaking. Also um Menschen, die immer sagen, „ja, ich änder was an einem ungesunden Verhalten“ und dann den Worten keine Taten folgen lassen. Sie labern nur. Und das Gegenüber bleibt in der Warteposition. Da muss man raus. Und dazu kam so ein wunderbarer Satz, den man dem Menschen dann sagen kann:

„Änder das und wenn Du das geändert hast, kannst Du Dich gerne melden.“

Das sorgt dafür, dass man selber raus ist aus dem Thema. Und keinem weiteren Futurefaking mehr zuhören muss, keine Kritik mehr üben muss, keinen Frust mehr hat und die Warteposition verlässt.

Und genau das hab ich nun getan.

So weit. So gut. Was darin nicht vorkam, ist das Ziehen im Magen. Die Angst. Zu dem, wie es weitergeht. Die Angst, was nun kommt. Die Angst, dass nichts kommt. Die Angst, dass es tatsächlich auseinander geht.

Laut dem Coach soll man in der Zeit ‚einfach‘ sein Leben weiterleben, mit Gutem füllen, sich um die eigenen Dinge kümmern. Herr im Himmel, ich mach die ganze Zeit nix anderes, weil ich aufgrund der Arbeitszeiten meines Freundes eh die meiste Zeit allein war. Und jetzt noch mehr Einsamkeit?

Dein Leben ehren

Erwähnte ich den Kauf meines Meditationskissens? Man braucht es nicht, um still zu sitzen. Aber es ist bequem. Gekauft habe ich es auch, weil ich damit eine Gewohnheit lernen möchte. Kissen nehmen, hinsetzen, Stille. Einmal am Tag. 5 Minuten. So der Plan. Das hab ich also bereits gestern und vorgestern gemacht. Und heute werd ich es auch machen. Dinge, die 5 Minuten dauern, kann ich regelmäßig machen.

Jedenfalls kam mir gestern nach den 5 Minuten in den Sinn, dass es gut ist, dem Leben entgegen zu gehen. Ähnlich wie auf dem Bild von Michel Angelo, wo (vermutlich) Gott dem Menschen die Hand reicht. Er reicht sie. Und wartet, ob der Mensch seinen ebenfalls zu ihm reicht. Einen Teil muss der Mensch also selber leisten.

Das möchte ich tun. Es gibt sovieles, wofür ich dankbar sein kann. Und bin. Allem voran bin ich (meist) gesund. Ich hab eine Familie, ein paar gute Freunde. Eine Arbeit, mit der ich Miete und ein gutes Essen bezahlen kann. Und mir zusätzlich schöne Dinge kaufen könnte. Wenn ich es wollte. Was meist nicht der Fall ist, weil ich nix brauche. Außer dem, was ich habe. Ich kann gut denken, habe viel gelernt und kann viel einbringen. Humor, Empathie und Liebe zur Natur hab ich auch. All das ist viel, für das ich dankbar sein kann. Einzeln oder für alles zusammen.

Nachdem ich gestern gegen 2 Uhr Nachts (zu spät) im Bett war, habe ich gebetet. An Gott. Jesus. Und Maria Mutter Gottes. Rosa Mystica. Von letzterer habe ich gestern erst erfahren, habe ein bißchen darüber gelesen und dachte, ich versuche es einfach mal.

Jedenfalls hab ich aus dem Herzen gebetet. Dann habe ich mir gesagt, morgen früh wachst du um 9 Uhr auf und fährst in die Stadt. Du schaust Dir schöne Dinge an, probierst ein bißchen Kleidung, wenn dir was gefällt, nimmst du was schönes mit. Schließlich ist das dein letzter freier Wochentag, ab nächste Woche steht die Arbeit wieder auf dem Plan. Kurzum – geh morgen dem Leben und der Freude entgegen.

Ehre Gott, in dem du dein Leben würdigst. Ehrst.

Heute morgen wachte ich um Punkt 9 Uhr auf, hab was gegessen und fuhr dann in die Stadt. Dort blieb ich bis zum späten Mittag. Ausnahmsweise mit Ohrstöpseln und ruhiger Musik schritt ich durch die Straßen, schaute in Läden, lachte bei niedlichen Sachen und probierte auch ein paar Sachen an.

Ich versuchte, Gott meine Hand zu reichen. Anstatt meinen Blick nach unten zu richten.
Mittags kaufte ich bei Rossmann einen Rawriegel und mit dem in der Jackentaschen ging ich Jeans anprobieren. Zwischendurch immer mal wieder abgebissen, gekaut und natürlich aufgepasst, dass die Kleidung sauber blieb. So hab ich ein bißchen Freude zelebriert.

Gekauft hab ich nix. Aber vielleicht geh ich morgen nochmal und nehme die Jeans, die mir heute gut gefallen hat. Es ist 3 Jahre her, seit ich eine Hose kaufte. Ist drei Jahre eine lange Zeit? Ich weiß es nicht. Viele Leute kaufen sich zwei mal im Jahr Klamotten. Zum Frühling. Und zum Winter.

Ich wollte das auch mal machen. Aber die Sachen gefielen nicht gut genug für einen Kauf. Also lies ich es. Was solls. Ich hab Hosen und Shirts. Das geht noch eine Weile.


Stand der Dinge. Und so.

A rief heute an. Sein ADS MIttel kommt in zwei Tagen. Ist wohl pflanzlich. Das hat mich erleichtert. Er fragte, wie es mir geht. „Nicht gut“ hab ich ehrlich gesagt. Hab gesundheitliche Sorgen und das hat mit meiner momentanen seelischen Lage zu tun. A hört sich das an und sagt, er versteht mich. Das tat gut.

Ich fühle mich in solchen Momenten, wenn cih sowas mal ehrlich erzähle, so zerbrechlich, schwach und anstrengend. So kompliziert. Dafür schäm ich mich.
Ist vermutlich das Gegenteil von Selbstliebe.

A sagt, dass er das nicht so sieht. Dass das für ihn kein Problem ist und ich nicht kompliziert etc. bin. Aber ich fühle mich so. Mit mir kann man all die unkomplizierten lauten Sachen nicht machen 😦 Ich trink keinen Alkohol, nehm keine Drogen. Achte zu 80% auf gutes Essen. Mag keine Kneipengänge und keine betrunkenen Menschen. Ja ja. Ich weiß schon. Das klingt nach Spaß :-/

Dann sehe ich die Menschen, die im Leben so aktiv sind. Voranschreiten. Partys machen, Aktivurlaube. Haus kaufen. Sport etc. Mein Nachbar feiert ständig Partys bis morgens um sechs .. . mit wenig Leuten, aber sie lachen viel. Und haben (unüberhörbar) Sex. Und ich sitze hinter der Wand, höre das und bin wütend. Weil ich nicht schlafen kann. UM vier UHr morgens. Und hinter der Wut bin ich neidisch. Und traurig. Weil bei mir keiner lacht. Nix Party. Nix unbeschwert. Nix leicht, locker und lebensfroh. Dann wein ich. Und hab das Gefühl, ich bekomm mein Leben nicht „hin“. Weil ich eigentlich gern lache. Viel Humor hab. Vor allem zusammen mit netten Menschen. Nur leider sind da kaum welche. Und wenn ich welche einlade, ist das auch kein lustiger Abend. Das sind ernste Abende. Ernste Gespräche. Über das ernste Leben.

Ob das was mit dem Alter zu tun hat? Bei mir sind die meisten um oder über 50. Bei meinem Nachbarn vermutlich um die 30.

Aber das allein kanns nicht sein. Mein Bruder ist auch ständig Partymäßig unterwegs. Und der ist älter als ich.

Also. Woran liegts?

Mist.

Spät in der Nacht und ich erkenne, dass Stuktur mir gut tun würde. Zum Beispiel früher ins Bett zu gehen. Gewohnheiten, Rituale zu haben. Ich brech das jedes mal ab. Weil ein Teil von mir das als zu starr erlebt. Und dafür ist das Leben zu schade. Ich möchte frei entscheiden, frei wählen können.

Aber was ist Freiheit?

Aus selbsterstellten (und als gesünder erkannten) Regeln auszubrechen? Wie ein Rebell? Ist Freiheit nicht eher, wirklich frei entscheiden zu können, ob ich etwas regelmäßig mache oder nicht? Die innere Wahl zu haben? Anstatt sich von unbewussten Impuls bestimmen zu lassen?

Vor allem, wenn man merkt, dass die Handlungen nicht gut tun?