Wie kommt man raus aus einer Depression?

Ich fühl mich depressiv. Deprimiert. Nun kommt die Weihnachtszeit, alle Leute hetzen durch den Tag. Heute Abend ging ich durch die Straßen und schaute in die Fenster der Häuser. Ich sah kleine Lichter in den Bäumen. Hunderte Birnchen, die Menschen in die Äste drapiert hatten. Ich sah einen Adventkranz so groß wie ein Wagenrad, er hing an rotem breiten Seidenband an der Decke über dem Tisch und drei Kerzen brannten. Und ich dachte, warum mache ich sowas nicht? Ich sah einen Vater mit seinem kleinen Kind am großen Tisch sitzen. Der Kindersitz stand an einer Haustür aus Glas. Ich sah keine Mutter. Sagen wir, sie stand in der Küche. Ich sah ein Haus mit bunten Lichtern, die die Häuserwand von Außen beleuchteten. Und inmitten all dem Schönen mein Gedanke – ich habe keine eigene Familie. Wenn ich nach Hause komme, wohnt da niemand. Außer mir.

Niemand, mit dem ich eine Familie sein kann. Der mich begrüßt. Oder den ich fragen kann, möchtest du auch einen Tee? Was kochen wir Heiligabend? Und wen laden wir ein? Niemand, der auch da ist, wenn ich traurig bin. Und ich bin oft traurig. Niemand, der mich in den Arm nimmt. Und meine Depression gleich mit. Niemand, der mich mit all dem liebt. Und den auch ich so lieben kann, Niemand, bei dem ich denken kann, mit dir möchte ich alte werden. Niemand, von dem ich weiß, dass wir uns beide in den Arm nehmen möchten.

Es holt mich immer wieder ein, dass ich keine eigene Familie habe. Nie geheiratet habe. Fühle mich als Außenseiter. Obwohl meine Partnerschaften länger hielten als manche Ehe. Und doch – wenn die Frage kommt – hast Du Kinder? Bist Du verheiratet – und man beantwortet beides mit Nein – dann wird man seltsam angesehen. Mitleidig. Argwöhnlisch. Die Leute fragen sich – was stimmt mit dem Menschen nicht? Man wird nicht so ernst genommen. Die Leute denken, man könnte nicht mitreden bei den wesentlichen Themen des Lebens. Das tut weh. Und deprimiert.

Deprimiert war ich auch, seit ich letzte Woche erfuhr, dass meine Arbeitsstelle abgerissen wird. Einfach so. Es ist unklar, wohin ich versetzt werde. Mit wem als Arbeitsteam. Alles, was ich die letzten drei Jahre aufbaute -umsonst. Weg gerissen. So fühlt es sich an. Das ist doch mein Fundament, was ich da aufgebaut habe. Eine Gewohnheit. Mein Alltag. Zack. Einfach weg. Das hat mich umgehauen. War das ganze Wochenende kaum ansprechbar. Gestern kam ich dann noch mit dem Rad in ein Gewitter. Das war zuviel. Hab geweint, bin nach Hause gefahren, Tür aufgeschlossen, alles in die Ecke geschmissen, ins Bett und die Decke über den Kopf. Verzweifelt. Und allein.

Nun frag ich mich – wie umgehen mit der Überforderung, der Trauer, der gesamten Erschöpfung aus langer Zeit? Mit der kommenden VERÄNDERUNG? Dem VERLUST des grade mal aufgebauten Berufalltag an der neuen Stelle? Ich bin keine 20 mehr und brauchte Stabilität. Ich brauche Sicherheit, ein Fundament, ein Wissen, dass das, was gestern da war auch morgen da ist. Zumindest im Wesentlichen.

Die letzte Zeit sage ich Verabredungen mit Freunden ab, entweder, weil ich krank bin oder weil ich erschöpft bin. Weil es mir zuviel ist. Will nur noch nach Hause und einen ruhigen Abend. Zeitgleich fühl ich mich einsam, isoliert. Darf mich nicht fallen lassen lassen. Niemand da, der mich auffängt.

3 Kommentare zu „Wie kommt man raus aus einer Depression?

  1. Und woher nimmst Du diese „Sicherheit“ zu glauben, dass ein Ehemann für Dich da wäre, wenn Du traurig bist? Der hat seine eigenen Sorgen und Unzufriedenheiten, und der wartet nicht auf Dich, dass Du nach Hause kommst um Dich zu begrüssen, geschweige denn bereit ist, Dich in den Arm zu nehmen?

    Das sind Illusionen! Träume von 99% aller verheirateten Frauen.

    Und bitte glaub mir, keine Einsamkeit ist schlimmer als die zu zweit.

    Nimm Dir zwei Katzen, solange Du berufstätig bist, und glaube mir, die freuen sich, wenn Du nach Hause kommst, und schmusen und kuscheln gerne mit Dir. Und wenn Du in Pension gehst zwei Hunde dazu, die Dich begleiten, wenn Du nach Hinaus gehst.

    Und ja – wieso schmückst Du wirklich nicht auch Deine Wohnung mit bunten Lichtern – das sieht sehr hübsch aus, wenn Du abends mit Deinen Katzen vorm Fernseher sitzt, oder ein Buch liest.

    Das nächste Tierheim ist sicher leicht zu erreichen – dort warten sie zu hundert darauf, dass jemand kommt, der sie lieb hat und für sie da ist. Dort träumen sie – genau wie Du – von Liebe und Geborgenheit.

    Ganz liebe Grüsse aus Wien
    D. B.

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    1. Liebe D.B.,

      woher nehme ich die Sicherheit. Hm. Weild as mein Verständnis von Partnerschaft ist. Und ich es stets so gelebt und erlebt habe. So wie ich Deine Zeilen verstehe, war das bei Dir anders, oder? Ich mag Tiere sehr. Eine Katze wäre für mich nie der Ersatz für ein menschliches Miteinander, auch nicht für eine Partnerschaft. Zudem bin ich berufstätig, das Tier wäre den ganzen Tag allein. Für zwei Tiere wäre es zu eng und vor der Türe fahren Autos. Das würde ich nie machen. Ganz liebe Grüße nach Wien l.b.l.

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  2. Ich kann deine Einsamkeit nachvollziehen, dass sollst du wissen. Auch lese ich in deinem Beitrag, dass du dich stark mit anderen vergleichst und dadurch nochmal trauriger und einsamer wirst. Das ach so perfekte Leben der anderen, ist keineswegs perfekt. Vielleicht in deiner Vorstellung ja, aber es gibt kein „perfekt.“ Nimm dir Zeit fuer dich, fuer Gedanken, die dich erfuellen und weiter wachsen lassen. Auch ich male mir etlich viele Dinge aus bis ich manchmal bemerke, dass sie nicht realitaetsnah seien oder schlicht und einfach zu viel verlangt sind. Du musst niemanden Vorstellungen und Erwartungen entsprechen. Mache dir bewusst, was deine Prioritaeten sind und was allein Du tatsaechlich moechtest.

    ~ Paralyzed-soul🌹

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