Die Sache mit A

Die letzte Tag traf ich A wieder öfter. In Anbetracht dessen, dass er mein Lebensgefährte ist, selten, in Anbetracht dessen, dass eine Trennung im Raum steht, oft. Jedenfalls war es anstrengend. So, so anstrengend. Und immer wieder der Versuch, es zusammenzubringen. Nicht nur von meiner Seite aus. Auch und besonders von seiner. Seine Lösungsvorschläge bei Krisen sind immer konstruktiv und ausgesprochen hilfreich. Oft auch außergewöhnlich, kreativ. Und das berührt mich immer wieder. In dem Momenten weiß ich, warum er mich immer wieder so berührt, und warum ich ihn so mag. Es ist sein inneres Wesen.

Doch was nützt das, wenn es im Alltag doch so schwierig ist. Und es mir und dann auch ihm so schlecht damit geht. Wir fangen es jedesmal wieder auf. Auch wenn die Kraft langsam weniger wird. Und das Vertrauen darauf, dass der andere trotzdem da ist, (beruhigenderweise) stärker wird.

Doch nach wie vor steht meine Konsequenz im Raum – bevor er sich nicht bzgl. seinem ADS in Beratung oder/und Behandlung begibt, geht es mit uns keinen Schritt (mehr) weiter. Er hatte sich darauf eingelassen und anstelle einer Beratungsstelle seinen Arzt angerufen. Der hat ihm ein Medikament verschrieben (ich berichtete in einem der letzten Beiträge darüber).

Das war gar nicht meine Absicht, ich dachte ja eher an eine Beratungsstelle. Hätte ich erstmal konstruktiver gefunden. Aber ok. Ist seine Sache. Jedenfalls musste das Mittel wohl erst bestellt werden. Seit Samstag steht es in der Apotheke. Er hat es nicht abgeholt. Heute während des Telefonates fragte ich nach und es steht auch jetzt noch in der Apotheke. Er hat es nicht abgeholt. Obwohl er heute frei hat. Also den ganzen Tag zur Verfügung und die Apotheke ist ein paar Minuten um die Ecke. Auf meine Nachfrage meinte er, er hätte es vergessen. Dann kommt – ‚ich kämpfe noch mit mir‘.

Um Missverständnissen vorzubeugen – ich kann ihn verstehen. Ich hätte auch das Gefühl, da will jemand an mir manipulieren. Oder hält mich für krank und behandlingsbedürftig. Das ist nicht schön. Ich würde auch nicht einfach irgendwas einnehmen. Auch wenn es pflanzlich ist. Deshalb würde ich auch erstmal zu einer Beratungsstelle gehen und schauen, ob da nicht über mein Verhalten & Reflektion/Änderung was gehen könnte. Aber er hat den Doc angerufen. Nicht ich. Und er hat sich was verschreiben lassen. Nicht ich.

Im Telefonat herrschte plötzlich Spannung. Auf meiner Seite Angst, Wut, auf seiner Seite das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Ich kann ihn verstehen. Aber ich kann auch mich verstehen. Nach so vielen Jahren bin ich müde. Entweder er will was ändern und bessern, oder er lässt es.

Ich möchte ihm damit nicht mehr in den Ohren liegen. Ich möchte nichts mehr fordern. Ich möchte raus auf der Warteposition. Also hab ich ihm gesagt, dass ich ihn zu dem Thema nichts mehr fragen möchte. Er kann das alles für sich klären – oder auch nicht – und mir dann, wenn ER soweit ist – bescheid sagen. Dann können wir sprechen. Und bis dahin wird es mit uns keinen weiteren Weg geben.

In einem Video zu toxischen Beziehungen habe ich von dem Coach mal einen Satz gehört, der mir lange im Sinn blieb. Dabei ging es um Futurefaking. Also um Menschen, die immer sagen, „ja, ich änder was an einem ungesunden Verhalten“ und dann den Worten keine Taten folgen lassen. Sie labern nur. Und das Gegenüber bleibt in der Warteposition. Da muss man raus. Und dazu kam so ein wunderbarer Satz, den man dem Menschen dann sagen kann:

„Änder das und wenn Du das geändert hast, kannst Du Dich gerne melden.“

Das sorgt dafür, dass man selber raus ist aus dem Thema. Und keinem weiteren Futurefaking mehr zuhören muss, keine Kritik mehr üben muss, keinen Frust mehr hat und die Warteposition verlässt.

Und genau das hab ich nun getan.

So weit. So gut. Was darin nicht vorkam, ist das Ziehen im Magen. Die Angst. Zu dem, wie es weitergeht. Die Angst, was nun kommt. Die Angst, dass nichts kommt. Die Angst, dass es tatsächlich auseinander geht.

Laut dem Coach soll man in der Zeit ‚einfach‘ sein Leben weiterleben, mit Gutem füllen, sich um die eigenen Dinge kümmern. Herr im Himmel, ich mach die ganze Zeit nix anderes, weil ich aufgrund der Arbeitszeiten meines Freundes eh die meiste Zeit allein war. Und jetzt noch mehr Einsamkeit?

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3 Kommentare zu „Die Sache mit A

  1. Bitte steh zu Deiner Entscheidung, denn ein Mensch, der nicht weiss was er will, und schon gar nicht bereit ist etwas für „Dich“ zu tun – denn er weiss ja, dass es DIR wichtig ist, der macht Dich nicht glücklich.
    Bevor Du mit ihm noch länger hängenbleibst, solltest Du Dich besser weiter orientieren – heutzutage ist die Möglichkeit des Kennenlernens mehr als optimal….. also nütze sie, mein Mädchen.

    Gefällt 2 Personen

      1. Du sollst auch keine sofortige Entscheidung treffen, sondern Dir einfach mal vorstellen, wie es wäre mit jemand anderes zusammen zu sein. Nur diese Möglichkeit einmal durchspielen, ein bisschen träumen, wie es sich anfühlen würde, sich neu zu verlieben. Und Dich auch ein bisschen in Partnerportale herumtreiben, oder auch im Alltag die Augen offen halten. Damit lässt Du Licht in Deine Seele und öffnest die Türe für das noch Unbekannt, was Dir jetzt noch grosse Angst macht – doch dann nicht mehr. Und dann bist Du frei die FÜR DICH richtige Entscheidung zu treffen. Aber eben erst dann, denn vorher ist die Angst da, die Dich blockiert.
        Bitte verzeih, dass ich mich so in Deine Angelegenheit einmische, doch Du sollst wissen, dass das „Sichtrauen“ absolute Priorität hat im Leben – und Angst der schlechteste Lehrmeister ever ist.
        Hab ich leider erst kapiert, als ich schon „alt“ war 😦

        Gefällt 1 Person

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